KALTNADEL­RADIERUNG

Die Kaltnadelradierung ist eine Technik, die im Tiefdruckverfahren arbeitet. Der Tiefdruck unterscheidet sich vom Hochdruck dadurch, dass hier tiefergelegte Rillen auf dem Druckstock mit Farbe gefüllt ein Motiv wiedergeben. Dafür wird zunächst eine Zeichnung unter Kraftaufwand direkt in eine Druckplatte Aluminium eingeritzt (Kaltverformung). Das zu verwendende Werkzeug nennt sich Radiernadel und ist eine in Holz gefasste Nadel aus Stahl. Stärkerer Druck der Nadel erzeugt stärkere Linien. Das Material wird beim Einritzen lediglich verdrängt, dabei entsteht ein Grat, der Konturen etwas unscharf und weich erscheinen lässt, was jedoch die Charakteristik der Kaltnadelradierung ausmacht.

Die Vorbereitung 

→ Aluminiumplatte, Radiernadeln, Gaze, Druckfarbe, Büttenpapier oder Tiefdruckpapier, Metallschere, Wasser 

Für die Kaltnadelradierung verwende ich eine Aluminiumplatte. Mein Motiv habe ich mir zuvor auf das Material gezeichnet und später eingeritzt. Hell-Dunkel-Werte können nur erzeugt werden, wenn Linien dichter oder weiter auseinandergesetzt stehen. Zusätzlich können durch Kraftaufwand tiefere und damit stärkere Linien erzeugt werden. Ist das Motiv vollendet, schneide ich das überstehende Material mit einer Metallschere ab.

 

→ Arbeits-, Zeit- und Materialaufwand ist in etwa vergleichbar mit dem Linolschnittverfahren.
Das Herausarbeiten des Motivs hat 05:41 Stunden gedauert.

Der Prozess

Gedruckt wird auf weichem, angefeuchtetem Papier. Ich verwende hier Büttenpapier. Das Papier muss zunächst in ein Wasserbad getaucht, dann kurz abgetropft und auf einer Tüte abgelegt werden. Auf das feuchte Blatt wird ein trockenes gelegt und der Vorgang solange wiederholt bis genügend Papier bewässert wurde. Danach wird der Stapel luftdicht verschlossen und beiseite gelegt.

Ich nehme mir meine fertige Aluminiumplatte zur Hand und beginne diese einzufärben. Dafür verwende ich eine Pappspachtel, welche ich von links nach rechts, von rechts nach links, von oben nach unten und abschließend von unten nach oben bewege. Diesen Vorgang wiederhole ich zwei Mal um sicherzustellen, dass sich in jeder Rille ausreichend Farbe befindet. Anschließend nehme ich mir ein Stück Gaze zur Hand und beginne die Farbe, vorsichtig in kreisenden Bewegungen wieder von der Platte zu entfernen. Das mache ich bis das Aluminium nahezu frei von Farbe und wieder silbern ist. Die Rillen jedoch sollten noch ausreichend Farbe enthalten.

Ich lege die eingefärbte Druckplatte mittig auf die Presse und platziere das leicht nasse Büttenpapier darauf. Da das Material mit dem ich gearbeitet habe sehr dünn war, musste zusätzlicher Druck ausgeübt werden um ein schönes Druckerzeugnis zu erhalten. Daher habe ich noch einige Schichten Schmutzpapier zwischen Papier und Presse platziert. Anschließend lege ich das Filz darüber und beginne zu walzen. Das mache ich möglichst in der gleichen Geschwindigkeit, damit sich die Farbe unter gleichmäßigem Druck verteilen kann. Ist der Walzvorgang beendet, können Filz und Schmutzpapier wieder entfernt werden und behutsam das Büttenpapier vom Druckträger abgezogen werden. Et Voilà, ein ziemlich gelungener Druck.

Das Ergebnis

Radierung ©Nicole-Laura Samulnik